Andacht in der JVA in Brandenburg an der Havel

Seit Jahren nutzt der Chor der Gemeinde Premnitz die katholische Kirche in Premnitz für Konzerte – ob Weihnachten, Ostern oder zu einem anderen Anlass. Der Pfarrer kam dem Chor immer entgegen und reichte den Schlüssel. Im Gegenzug dazu lud er nun den Chor ein, eine katholische Andacht in der JVA Brandenburg musikalisch zu umrahmen.

Das galt es erst einmal zu überdenken. Also haben 25 Sänger aus Premnitz und Genthin am Samstag, dem 31. August 2013 die Herausforderung angenommen. Der Pfarrer kam zur Vorbereitung in eine Übungsstunde und erklärte uns den Ablauf und die Situation im Gefängnis.

Dann war es so weit. Treffpunkt JVA, ein Ort, der in manch einem Sänger ein beklemmendes Gefühl hervorrief – vor allem, als man den Personalausweis abgeben musste und eine Besuchernummer erhielt. Auf diese musste jeder gut aufpassen. Der Pfarrer hatte als Seelsorger die wichtigsten Schlüssel und führte die Sänger über das Gelände. Da alle recht zügig durch die Kontrolle kamen, gab es noch genügend Zeit, in der er die Gebäude erklärte und einiges aus der Geschichte des berüchtigten Komplexes erzählen konnte. Die Kapelle befindet sich an einem Ort, an dem ursprünglich ein Kerker aus alten Zeiten stand. Dieser wurde abgerissen und darauf eine Turnhalle mit Kapelle und Seelsorger- bzw. Freizeitzentrum gebaut. Alle waren angenehm überrascht, als sie merkten, dass alles sauber und ordentlich aussah.

Kurz vor Beginn der Andacht sang sich der Chor mit einigen Liedern ein und dann wurden die Insassen gebracht. Wie der Chor zuvor vom Pfarrer erfuhr, ist den Häftlingen dieser Ort heilig, an dem kein böses Wort noch eine Hand erhoben wird. Der Chor konnte den Respekt der Häftlinge spüren. Gesungen wurde u.a. CM 13 "Heute, heute", CM II "Also hat Gott die Welt geliebt" und CM 154 "Gott deine Güte reicht so weit". Alle Lieder wurden mit Applaus bedacht und zwischendurch hielt der Pfarrer seine Andacht. Ein Häftling las eine Stelle aus der Bibel, in dem es um das Einssein der Brüder untereinander ging. Der Pfarrer ging auch auf diese Thematik ein, dass die Liebe und der Respekt – auch in der besonderen Situation, in der sich die Häftlinge befinden – untereinander regieren sollen.

Nach der Andacht bedankten sich die Häftlinge persönlich bei dem Chor und waren sehr ergriffen. In einem benachbarten Freizeitgebäude war nach der Andacht eine Stunde Zeit für Gespräche und Kaffee. Da der Chor selbstgebackenen Kuchen mitgebracht hatte, war es für die Insassen ein ganz besonderes Highlight. Für die Sänger, die mit dem einen oder anderen Häftling ins Gespräch kamen, war es sehr berührend zu erfahren, wie sie in diese Situation gekommen waren. Sie sicherten ihnen ihre Gebete zu und versuchten, ihnen etwas Freude und Zuversicht zu vermitteln.

Der Samstagnachmittag war für alle Beteiligten sehr emotional berührend und wirkte sich auch am Sonntag im Gottesdienst aus. Der Gemeindevorsteher ging während des gesamten Gottesdienstes auf das Erleben am Vortag ein und schilderte den Geschwistern, wie es ihm und den Sängern ergangen ist. Im abschließenden Gebet wurde in besonderer Weise für die Gefangenen gebetet.

sfr